Grillabend mit Freunden und Vorurteilen

April 28th, 2009 by Hner

Letztes Wochenende haben uns Freunde aus Berlin besucht. Er ein angehender Mediziner, sie Fremdsprachenkorrespondentin und gebürtige Engländerin.

Den Samstagabend haben wir uns mit Grillen und ein wenig Konversation vertrieben. Im Laufe der Unterhaltung sind wir dann auf das Thema “Vorurteile” gekommen.

Ich wollte von ihr wissen, was der durchschnittliche Engländer wohl so über die Deutschen denke und habe versucht, mich innerlich gegen den zu erwartenden Vorwurf deutscher Humorlosigkeit zu wappnen. Obwohl ich schon wenig hätte vorbringen können, allein dieses Vorurteil zu entkräften (mit Mario Barth und Konsorten kann man uns wohl getrost zum Bodensatz des internationalen Humors erklären), sah ich mich – zu meiner ehrlichen Verblüffung – mit einer nicht enden wollenden Aufzählung vermeintlich deutscher Eigenheiten konfrontiert.

Die Highlights:

  • Deutsche seien verschlossen und unflexibel im sozialen Umgang. (Nachvollziehbares Urteil in meinen Augen.)
  • Deutsche Frauen seien übermäßig behaart. (Keine Ahnung, wie man darauf kommen kann. Aber das werden sich die Franzosen auch denken, denn hierzulande gilt dieses Vorurteil über französische Frauen. Ich möchte mich da aber ausnehmen.)
  • Deutsche würden sich selten waschen. (Da habe ich dann vehement Einspruch erheben müssen!)
  • Deutsche seien obrigkeitshörig, duckmäuserisch und bezüglich umgesetzter Arbeitnehmerrechte rückständig. (Nach einer kurzen Erläuterung ihrerseits musste ich ihr da ohne Einschränkung zustimmen. Ich fand’ ihre Beschreibungen der Arbeitswelt in England erstaunlich. Ich wusste nicht, wie menschenfreundlich es in Betrieben zugehen kann.)
  • Die Deutschen hätten nicht mal ein rudimentär ausgeprägtes Modeverständnis, kleideten sich absolut unansehnlich und legten keinen Wert auf ihr Äußeres. (Konnte ich zwar nicht ganz nachvollziehen, aber insgeheim fand ich dieses Urteil eher auszeichnend – im positiven Sinne.)
  • In Deutschland gäbe es auffallend viele Obdachlose. Weit mehr als man in England gewohnt sei zu sehen. (Zu den englischen Verhältnissen kann ich nichts sagen, aber hierzulande wird wirklich erbärmlich wenig getan gegen Obdachlosigkeit und für Obdachlose. Das stimmt.)
  • Und last but not least natürlich: Deutsche seien absolut humorlos. (Tja, was soll man dazu sagen…)

Was wir denn über Engländer so dächten, fragte sie dann berechtigterweise. Im ersten Moment war ich der Überzeugung, mir würde dazu nichts einfallen, außer vielleicht, dass die Engländer im Gegensatz zu uns einen ganz und gar ausgezeichneten Humor besitzen. Aber kaum dass ich ansetzte, ihr zu erklären, wir wären eigentlich ziemlich vorurteilsfrei, begannen die Klischees auch schon munter zu sprudeln:

  • Engländer seien grundsätzlich notorische Trinker und würden diesem Laster besonders im Urlaub exzessiv frönen. (Ich weiß, gewagtes Urteil, schließlich haben wir solche Jungs.)
  • Sie könnten absolut nichts Genießbares zubereiten,
  • zählten nicht gerade zu den hübschesten Menschen auf diesem Planeten,
  • hätten eine sensationslüsterne und ganz besonders niveaulose Boulevardpresse (Stimmt zwar mit Sicherheit, aber wir bekleckern uns da auch nicht gerade mit Ruhm.),
  • verfügten, wie gesagt, über einen vorzüglichen Humor,
  • besäßen einen guten Geschmack in allen Stilfragen,
  • seien die Heimat der durchgeknalltesten Fußballfans weltweit (vielleicht mit Ausnahme Italiens)
  • und hätten immer schlechtes Wetter.

Über jeden dieser Punkte haben wir dann natürlich ausführlich diskutiert.

Dieser Abend hat mir überraschenderweise einen Einblick in mein offensichtlich umfangreiches Vorurteilsrepertoire gewährt. Stimmt mich etwas nachdenklich, auf was ich da so gestoßen bin…

Zwei Wahrheiten bleiben aber meines Erachtens auch nach intensiver Introspektive unumstößlich:

Italienische Küche ist die beste der Welt und das beste Bier kommt immer noch aus Bayern!

Und zum Abschluss (als Belohnung fürs Durchhalten) ein Klassiker zum Thema “Fremdenfeindlichkeit” oder was passiert, wenn Vorurteile den Mantel der Harmlosigkeit abwerfen:

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Schwarzfahrer von Pepe Danquart (Vielen Dank für den Tipp, Gonzo!)

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Posted in Alltag, Erschreckendes, Imbissbude, Nebensächlichkeiten

2 Responses

  1. Gonzo

    - das Deutsche keinen Humor haben stimmt ja wohl überhaupt nicht. Diesen haben sie doch zu genüge bei der letzten Bundestagswahl unter Beweis gestellt.

  2. Hner

    Stimmt und das war obendrein einer von der schwarzen Sorte! :)

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