Mensch vs. Maschine
Da am Wochenende eine Reise ansteht, war ich gezwungen unser geliebtes Gefährt der Werkstatt zu überstellen. Ein Golf IV Turbodiesel.
(Tut zwar nichts zur Sache, aber ich finde, man sollte jede Gelegenheit nutzen, das Wort “Turbo” zu verwenden. Das haben sich die Jungs von WP wohl auch gedacht, als sie die Option ins Adminpanel integriert haben. “Turbo” is einfach bombig. Weckt gleich ein ganzes Array an positiven Assoziationen: “potent”, “bissig”, “sportlich”, “rassig”, “männlich” und vor allem “schnell – schneller – am schnellsten”.)
Zurück zum Thema. Ich werd’ mich heute auch kurz halten. Versprochen!
Eigentlich wollte ich mit dieser kleinen Geschichte nur meinem Unmut darüber Ausdruck verleihen, dass Autos in der Zwischenzeit ein ernstzunehmendes Ärgernis geworden sind. Nicht nur für die Natur und die zahllosen Unfallopfer, sondern auch und gerade im alltäglichen Gebrauch für ihre arglosen Benutzer.
Mein erstes Exemplar war ein Golf I (Baujahr ’77 des letzten Jahrtausends). So einer hier:
(Quelle:wikipedia.org)
Wenn der Mucken gemacht hat, konnten sogar Laien wie ich die meisten Probleme mit Schraubenzieher und Zange lösen. Was kaputt war, sah auch kaputt aus. Das eindrucksvollste Beispiel dafür, wie pflegeleicht dieser Golf war, ist, dass ich die durchgerostete Aufhängung des Kühlergrills durch das Spannen einiger Drähte zwischen Grill und Kotflügel kompensieren konnte. Sogar eine Lichtmaschinentransplantation ist mir einmal gelungen. Nicht ganz ohne Komplikationen, aber dennoch.
Nach drei Jahren, die er mir treu zur Seite gestanden hat, in guten wie in schlechten Zeiten (zu den schlechten zählten aus seiner Sicht vermutlich die zahllosen Sprünge über vereiste Schneerampen), habe ich ihn schweren Herzens an einen Hobbymechaniker vertickt. Zwanzig Jahre hatte er da schon auf dem Buckel und war trotzdem noch voll funktionstüchtig. Allein der TÜV sah das anders. Zu deren Urteil hab’ ich so meine eigene Theorie, die was mit Geld, Autoherstellern, UFOs und der amerikanischen Regierung zu tun hat.
Naja, wie dem auch sei, nach einer gebührend langen Phase der Trauer hab’ ich mir einen Golf II GT zugelegt (fabricatum anno domini 1989):

Golf II
(Quelle:schaltke.de)
Der war mir – ohne Frage – von allen der Liebste. Schon mit Katalysator und Servolenkung ausgestattet, besaß er trotzdem alle Tugenden des Golf I, sah nur erheblich schicker aus und war eine echte Rakete. Den Rest können wir bedenkenlos überspringen, weil der Wagen dermaßen gutmütig war, dass sich nichts Aufregendes erzählen lässt.
Es folgten ein Golf III TDI (Baujahr ist mir dummerweise entfallen, Genchen kreuzigt mich sicher dafür), der einen selbst bei kleineren Reparaturen verzweifelt nach einem Fachmann schreien ließ, und ein Ford Mondeo Kombi (Baujahr “schieß mich tot”), bei dem, zumindest theoretisch, einiges an Reparaturen selbst von Amateuren hätte bewerkstelligt werden können. In der Praxis aber scheiterte es meist daran, dass sich die Bauteile durch abiotische Apoptose allen Wiederherstellungsambitionen entzogen.
Vor einigen Jahren dann hat Gott uns mit einem Golf IV gesegnet. So einem:
(Quelle:wikipedia.org)
An sich ein traumhaftes Fortbewegungsmittelchen: Sitzheizung, EPS, Klimaanlage, Sechsganggetriebe, ABS, und unzähliger anderer Schnickschnack. Das Sahnehäubchen ist der Durchschnittsverbrauch. Nicht mehr als 6 Liter braucht er auf 100 Kilometern.
Nur kaputtgehen darf nichts.
Zu Weihnachten waren wir zu Besuch bei unserer Familie in Bayern, auto mobil versteht sich. Auf der Fahrt dorthin ist uns die Abblendlampe auf der Fahrerseite durchgebrannt. Lappalie eigentlich. Naiv wie ich manchmal bin, hab’ ich nach unserer Ankunft einfach eine neue Lampe besorgt und mich mit dem Werkzeugkasten an die Arbeit gemacht. Das Ergebnis war nach drei frustrierenden Stunden: ein aufgerissener Finger, zwei abgebrochene Plastikteile (wozu die da waren, weiß kein Mensch), eine halbausgebaute Batterie und erste Symptome einer Erkältung. Aber kein funktionierendes Licht. Ich bin ums Verrecken nicht an diese vermaledeite Lampe herangekommen. Ich kann von mir nicht gerade behaupten, der geduldigste Mensch zu sein, aber in dieser Situation hätte selbst Gandhi die Fassung verloren. Der Mechaniker in einer Vertragswerkstatt hat mich dann aufgeklärt: “Des koost vagessn! Da brauchst sackkloane Finga, mit deine Kloschüssibratzen wead des nix.” Um die Motorhaube zu öffnen, hab ich mich auf der linken Armlehne der Fahrertür abgestützt und bin dabei auf die Taste für den Fensterheber gekommen. Ein kurzes Knirschen, dann sauste die Scheibe herunter und verschwand in den Tiefen der Tür. “Jetz hats da an Fenstaheba zrissen”, meint der Mechaniker gleichgültig. Da war ich dann schon jenseits von wütend. Aber ich bin ja nicht gewalttätig, deshalb hab ich mich dann nur erkundigt, wieviel der Spaß kosten wird. “250 Euro”, lautete die Antwort. Und da hat es dann doch ziemlich in den Fingern gejuckt.
Fenster hab ich dann einfach irgendwie fixiert und meine Freundin hat die Taste mit Klebeband abgedeckt, so dass man da nicht mehr rankommt. Besonders lustig, jetzt wo es langsam heiß wird.
Zurück in heimatlichen Gefilden hat sich jetzt sowohl das ABS als auch das EPS und noch irgendwas Leuchtendes verabschiedet. Nichts davon kann man selbst reparieren und nichts davon kostet weniger als 100 Euro.
Es gäbe noch eine Vielzahl weiterer Geschichten rund um Ladeluftkühler, Klimaanlage usw., aber ich erspare euch die Details.
Fakt ist, dass mich dieses Auto auf ganzer Linie geschlagen hat. Etwas, was keinem Auto älterer Generation gelungen wäre.
Hner vs. Golf IV 0:1
Ich gratuliere!
Posted in Alltag, Erschreckendes, Nebensächlichkeiten





April 28th, 2009 at 10:58
Der war aber schön!
Ich kann wirklich nicht nachvollziehen, warum Du nicht schon vor Jahren unter die Blogschreiber gegangen bist…
April 28th, 2009 at 13:00
Danke. :)