23. Mai
Da wir momentan viel um die Ohren haben und daher kaum Zeit finden, aufwändige Artikel zu schreiben, gibt es heute wieder einen kleinen Ausflug in die Geschichte. Vielleicht ist ja bei der Auswahl das eine oder andere für euch dabei.
1605: Veröffentlichung des ersten Teils des Romans “El ingenioso hidalgo Don Quixote de la Mancha” von Miguel de Cervantes
Gerade einmal 404 Jahre ist es her, seit Miguel de Cervantes (el manco de Lepanto “der Einarmige von Lepanto”) uns dieses großartige Werk geschenkt hat. Der Autor stand seinem Titelhelden in Sachen Glücklosigkeit kaum nach.
Sein bewegtes Leben in einer kurzen Übersicht:
- Als vierter Sprössling einer verarmten Adelsfamilie wahrscheinlich am 29. September 1547 geboren.
- Theologisches Studium und anschließende humanistische Studien.
- Nach einem Duell Flucht vor der spanischen Justiz nach Italien.
- 1569 Beitritt zur spanischen Kriegsmarine in Neapel.
- Teilnahme an unterschiedlichen Gefechten, darunter Seeschlacht von Lepanto 1571, bei der ihm seine linke Hand verstümmelt wurde.
- 1575-1580 Gefangener algerischer Piraten.
- Ende der 1580er Jahre Trennung von seiner 18 Jahre jüngeren Frau. Die Ehe war kinderlos geblieben.
- Arbeit als Steuereintreiber in Spanien.
- 1598 und 1602 in spanischer Schuldhaft wegen Veruntreuung von Staatsgeldern (Beginn der Arbeit an Don Quijote)
- 1616 stirbt Cervantes in Madrid, nachdem er sein gesamtes Vermögen verprasst hat, als armer Mann.
Kurzinhalt des Romans:
“Der Roman erzählt die Geschichte der gleichnamigen Hauptperson, eines verarmten Junkers, der durch die Lektüre unzähliger Ritterromane den Verstand verliert und beschließt, nun selbst als Ritter auszuziehen, “um Abenteuer zu suchen und all das zu üben, was, wie er gelesen, die fahrenden Ritter übten, das heißt jegliche Art von Unbill wiedergutzumachen und sich in Gelegenheiten und Gefahren zu begeben, durch deren Überwindung er ewigen Namen und Ruhm gewinnen würde.” (S. 23f.) Don Quijote holt seinen alten Klepper aus dem Stall, gibt ihm den klangvollen Namen Rosinante, stellt sich notdürftig eine Rüstung zusammen und bricht auf. Dieser erste Versuch scheitert kläglich: Der vermeintliche Ritter wird von Maultiertreibern zusammengeschlagen, halbtot von einem Nachbarn aufgefunden und nach Hause gebracht. Besorgte Freunde türmen den Großteil seiner Ritterbuch-Sammlung zu einem riesigen Scheiterhaufen auf und übergeben die unheilvollen Bücher den Flammen. Aber Don Quijote läßt sich nicht entmutigen. Nach seiner Genesung kann er einen Bauern des Dorfes, Sancho Pansa, als Knappen gewinnen und bricht gemeinsam mit ihm erneut auf. Die Windmühlen, denen sie bald darauf begegnen, hält Don Quijote trotz Sanchos Einwänden für Riesen und liefert sich mit ihnen seinen berühmtesten Kampf. Hier, wie in allen folgenden Abenteuern, ‘liest’ Don Quijote die Erscheinungen der Wirklichkeit als Motive der Ritterromane und interpretiert sie folglich als Handlungsaufforderung an sich selbst, den fahrenden oder “irrenden” Ritter. Immer wieder führt Cervantes im Don Quijote auf diese Weise vor, was passiert, wenn man die Regeln der phantastischen Ritterwelt auf die profane Wirklichkeit anwendet.”
(Quelle:uni-due.de)
Wer jetzt neugierig geworden sein sollte, der kann gleich online weiterlesen: gutenberg.spiegel.de
1618: Der zweite Prager Fenstersturz
Der 23. Mai hat auch düstere Brüder in der Geschichte. Einer dieser unseligen Tage datiert auf das Jahr 1618. Dieser Tag markiert für viele Historiker den Beginn des Dreißigjährigen Krieges.
In der Hoffnung, dass ich nicht der einzige bin, der diesen Begriff vorher noch nicht gehört hat, hier die euphemistische Bezeichnung für eine solche Untat: Defenestration.
Zum (zweiten) Prager Fenstersturz kam es, nachdem im Verlauf des 16. Jahrhunderts das Habsburger Herrscherhaus im vorwiegend protestantischen Böhmen politische Anstregungen unternahm, die Vorrangstellung des Katholizismus zu restituieren. Reaktionen dieser Art, die maßgeblich von der katholischen Kirche initiiert wurden und auch als Gegenreformation bekannt sind, waren damals nicht beschränkt auf Böhmen sondern fanden vielerorts statt. Im damaligen Prag tat sich dabei der Jesuitenorden besonders hervor. Der böhmische Adel, größtenteils protestantisch, wehrte sich, indem er König Rudolf II. dringend benötigte Steuern zur Finanzierung der Türkenkriege nur für den Fall in Aussicht stellte, dass dieser die Glaubensfreiheit garantierte. Niederschlag fand diese Forderung in der Confessio Bohemica von 1575, die von Kaiser Maximilian II. aber lediglich mündlich anerkannt wurde. Das hatte zur Folge, dass die darin formulierten Ansprüche keinen Eingang in das Landesgesetz finden konnten. Erst im Jahre 1609 gelang es den protestantischen Ständen von König Rudolf II. einen sogenannten Majestätsbrief zu erzwingen, der das protestantische Bekenntnis legitimieren sollte. Später (1621) wurde dieser Majestätsbrief aber vom neuen Kaiser Ferdinand II. für ungültig erklärt.
Am 23. Mai gipfelte der schwärende Konflikt zwischen den protestantischen Adeligen und dem katholischen Kaiser Matthias aufgrund fortwährender Verletzungen der im Majestätsbrief garantierten Religionsfreiheit im sogenannten zweiten Prager Fenstersturz. Nachdem von einer Gruppe Adeliger ein improvisiertes Gerichtsverfahren abgehalten worden war, wurden zwei kaiserliche Statthalter zusammen mit dem ebenfalls anwesenden Schreiber kurzerhand aus dem Fenster geworfen. Alle drei überlebten den Sturz (Trotz der Tatsache, dass die Version mit dem Misthaufen erst später hinzugedichtet wurde.)
Was dann kam ist in die Geschichte eingegangen als sogenannter Dreißigjähriger Krieg, in dessen Verlauf viele Hunderttausende den Tod fanden und nach dessen Ende im Jahr 1648 sich die Machtverhältnisse in Europa gehörig verschoben hatten.
1949: Verkündung des Grundgesetzes durch den Parlamentarischen Rat
Obwohl ursprünglich nur als “Verfassung in Kurzform” konzipiert, ist das Grundgesetz im Zuge der Wiedervereinigung de facto zur Verfassung des gesamten Deutschen Volkes evolviert.
Auch wissenswert:
Erst Elisabeth Selbert konnte gegen heftige Widerstände die Gleichberechtigung von Männern und Frauen durchsetzen.
Die CSU lehnte die Verfassung im bayrischen Landtag mit dem Wunsch nach einer stärker föderalen Prägung ab. Eine Verbindlichkeit, der sich Bayern im Falle einer Ratifizierung durch 2/3 aller Länder beugen müsse, wurde aber in einem gesonderten Beschluss akzeptiert.
Da das GG und ich uns in vielen Punkten durchaus einig sind, was die zugrunde liegenden Überzeugungen anbelangt, sage ich HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH ZUM GEBURTSTAG!
Nur, was die einschränkungslose und allgemeine Verbindlichkeit sowie den Anspruch auf Ausschließlichkeit betrifft, da sollten wir uns nochmal unterhalten, liebes GG, denn da sehe ich intellektuellen Nachholbedarf deinerseits!
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