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Die Straße ins Nirgendwo.

Mai 30th, 2009 by Hner

Tontaubengrau schien dieser schicksalsschwangere Tag.
Gestorben war er. Gestorben! Wer noch mal?

Langsam ging es mir auf; langsam wie die arktische Sonne zur Winterszeit. Aus den düsteren Windungen des Kleinhirns kroch die Erinnerung in die höheren Sphären meines homo-erektablen Bewusstseins. Ich war es, der gestorben war. Beweise? Augen öffnen? Hypothesen verlangen nach Empirischem. Andererseits schien es durchaus reizvoll, mir diese Information vorzuenthalten. Mal sehen, wie ich darauf wohl reagieren würde!

Universen lustig-bunter Galaxien explodierten vor meinen geschlossenen Augen. Sah so der Tod aus? War der Tod nichts anderes als das Hirngespinst eines Halbschizophrenen mit Kopfschmerzen? Hilflos und verzweifelt hielt ich mit meinem inneren Auge nach dem Nirwana Ausschau. Aber alles was mir in dieser mondlosen Nacht meines Bewusstseins erschien, war ein Auto mit blutverschmierten Frontlichtern, die mich blendeten.

Würden diese Lichter etwa zum Ausgang dieses dunklen BlaBlaBla weisen?
Zutiefst profan dieser Gedanke.

Frontlichter? Tontaubengrauer Tag? Metaphysisch schienen diese Erkenntnisse angesichts der Tatsache, dass ich mich visueller Eindrücke zu erwehren versuchte, indem ich meine Augen krampfhaft geschlossen hielt. Aber ich war mir ob dieser Fakten ziemlich sicher. Nur zwei sichtbare Pigmente auf einem Panoramabild voller Leben. Scheiße, scheiße, scheiße, bin ich tot oder nicht? Ängstlich schlich ich – gut getarnt – um den Altar göttlicher Entscheidungsfindung. Sicherheit, ja, die unverwundbare Sicherheit stand nun gegen die Möglichkeit undefinierter, wohliger Resignation. Wollte ich es wissen? Schrecklich mutete der Gedanke an, die Augen zu öffnen, nur um festzustellen, dass dieses Unterfangen unmöglich sein könnte. War ich denn so feige, den einzigen Weg, der mir Klarheit verschaffen könnte, nicht zu beschreiten, allein aus Angst, dass dessen Ziel das unbekannte Reich des Todes sein könnte.

Die immerwährende Angst des Steinzeitmenschen vor dem Feuer.

Und plötzlich, ganz unerwartet zog das Nirwana an mir vorbei, freundlich winkend.

Verwunderlich nur, dass es aus verschiedenen Tapetenmustermotiven der siebziger Jahre zu bestehen schien und seinerseits etwas verunsichert dreinschaute.

Die Frage mit den Augen hatte sich somit erübrigt. Blieb also nur noch zu klären, was man denn so würde anstellen können als Toter.

Moment mal! War ich nicht getaufter Christ? Wo zum Teufel war denn nun das versprochene Paradies oder wenigstens das aufregend anmutende Fegefeuer? Und wo zum Henker war der kleine Film geblieben, den angeblich jeder während seines Todes vorgeführt bekommt? Ich fühlte mich um diese unterhaltsamen Details eines anständigen Todes betrogen…

Etwas ernüchtert beschloss ich, mich häuslich einzurichten, hier im Nirgendwo. Mir gefiel die Vorstellung, die Ewigkeit hier zu verbringen. Und vielleicht war ja auch ein fruchtbarer Erfahrungsaustausch mit dem sympathischen Nirwana möglich.

Nachdem die Frage des Lebens nach dem Tod nun also geklärt war und ich meine metaphysischen Koffer bereits ausgepackt und verstaut hatte, musste nur noch ein Stuhl her. Ein würdevoller Tod verlangt nach Bequemlichkeit.

Wer sich über diesen seltsamen Beitrag wundern sollte, der tut gut daran. Denn merke: Kurzgeschichten sind nicht für Jedermann! Schon gar nicht solche welche.

Danke, Gonzo, bald ein Jahrzehnt her und immer noch fragwürdig das Stück! Da haben wir uns im Rausche unseres Angesichts wirklich selbst übertroffen. :)

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Posted in Imbissbude, Kurzgeschichten

One Response

  1. DasGen

    Ich muss gestehen, dass ich als eigentlich-Kurzgeschichten-nicht-wirklich-Liebhaber doch sehr begeistert bin :-)
    Ihr solltet öfter mal zusammen Sinnlosigkeiten auf Papier bringen! Allein wegen solcher Sätze: “Und plötzlich, ganz unerwartet zog das Nirwana an mir vorbei, freundlich winkend.” Das hat mir ein wenig die Angst vor dem Tod genommen!

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