In eigener Sache: Zurück & unversehrt!

Mai 19th, 2009 by Hner

Wir sind wieder da, woraus sich also ohne viel Fantasie schließen lässt, dass uns ein Flugzeugabsturz erspart geblieben ist…dieses Mal wenigstens…

Mit Urlaub hatte der Kurztrip allerdings nicht viel zu tun:
Genchen und ich waren schon zum Reiseantritt gesundheitlich etwas angeschlagen, hatten kaum geschlafen und ich hatte mit meinen üblichen Panikattacken zu kämpfen. Von Urlaubsgefühl konnte in diesen ersten Stunden also keine Rede sein.

Faul wie wir sind, haben wir uns für den Weg zum Flughafen natürlich ein Taxi gerufen. Hatte den Nachteil, dass wir uns dem (sicher freundlich gemeinten) Monolog einer postmenopausischen Fahrerin ausgesetzt sahen, die uns eifrig mit ihrer ganz persönlichen Analyse der momentanen Wirtschaftskrise beglückte. Eigentlich finde ich solche Gesprächssituationen mit Fremden immer reizvoll, aber in paralytischer Angststarre gefangen hat sich mein Beitrag an jenem Morgen auf ein gelegentliches Grummeln beschränkt, während Genchen krampfhaft versuchte nicht wieder einzuschlafen. Ich kann mich noch dunkel an Phrasen wie “gewollte Marktbereinigung herbeigeführt durch die großen Fünf” erinnern und an irgendeine Billardmetapher, die so abstrus war, dass sich mir die beabsichtigte Veranschaulichung bis heute nicht erschließt.
Nach dem Einchecken, einem Becher Kaffee, an dem ich mir unzählige Male die Zunge verbrüht habe, und den unvermeidlichen Morgenzigaretten machten wir uns auf den Weg zum Boardingbereich. Früher bestand der Zugang zu den Gates aus einer kleinen Passage mit einem Schalter und dieser wiederum aus einem kleinen Tischchen mit Stuhl und einem obligatorischen Flughafenbeamten mit zerknirschtem Gesichtsausdruck, dem der Profi im Vorbeigehen nur kurz mit der Bordkarte zuwinken musste.
Anders heute. Um zur Personenkontrolle vorzudringen, muss man neuerdings durch ein Labyrinth aus Absperrbändern, die minütlich neu arrangiert und verknüpft werden. Das Muster folgt dabei einem Algorithmus, der den Intellekt eines Normalsterblichen heillos überfordert. Diese raffinierte Wegführung ermöglicht es neuerdings die drei Meter Distanz von der Haupthalle zum Kontrollbereich auf sagenhafte 150 Meter zu strecken. Vermutlich handelt es sich dabei um eine neue, besonders effektive Form der Terrorbekämpfung. Da Terroristen bekanntlich außergewöhnlich ungeduldig sind und von ihrer bevorstehenden Aufgabe dermaßen vereinnahmt werden, dass sie darüber hinaus nicht fähig sind, komplexe Aufgaben zu lösen, kann man auf diese Weise bereits frühzeitig auf Verdachtspersonen aufmerksam werden, da diese sich unweigerlich in dem undurchsichtigen Geflecht aus Gummibändern verfangen müssen. Als Beifang fallen dabei natürlich u.a. unaufmerksame Gelegenheitsflieger und Alzheimerpatienten an, die das Fachpersonal vor Ort mit geübtem Auge aber leicht vom klassischen Terroristen unterscheiden kann.
Weniger vorbildlich verlief dann allerdings die eigentliche Personenkontrolle. Genchen wurde zwar einer besonders gründlichen Ganzkörperkontrolle unterzogen, ein vergessenes Taschenmesser in ihrem Rucksack aber blieb unentdeckt.

Auf dem Weg zu unserem Gate vertrödelte Genchen dann noch die verbleibende Zeit in einem Buch- und Zeitschriftenladen auf der Suche nach passender Reiselektüre, für die sie dann letztlich – wie immer – doch nicht bereit war Geld auszugeben, so dass wir unverrichteter Dinge unsere Plätze im Wartesaal einnahmen. In einer kostenlos zur Verfügung gestellten Tageszeitung fand ich unser Tageshoroskop:

Hner: Treffen Sie heute vormittag keine unüberlegte Entscheidung. Es droht Gefahr!
Genchen: Hören Sie vormittags unbedingt auf den Rat anderer.

Wäre ich zu diesem Zeitpunkt mein Angstgefühl noch steigerungsfähig gewesen, wäre ich spätestens nach diesen Zeilen in eine respektable Panik verfallen.
Aber offensichtlich nutzt sich selbst Angst irgendwann ab und weicht einer fatalistischen Gleichgültigkeit. So war das zumindest bei mir.

Aus reiner Gewohnheit habe ich dann noch die anderen Passagiere unter die Lupe genommen, auf der Suche nach Kleinkindern, die für mich irgendwie immer der Garant dafür sind, dass schon nichts passieren wird. “Weder Gott noch das Schicksal können solche Ars******** sein”, versuche ich mir dann immer einzureden, was natürlich absoluter Humbug ist, nichtsdestotrotz aber beruhigend auf mich wirkt.

Später habe ich dann in einem Gespräch mit meinem Bruder feststellen dürfen, dass ich nicht der einzige bin, dem so verqueres Zeug durch den Kopf geht.

Es gäbe noch so viel mehr zu erzählen und eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen, einen knappen Bericht über unseren gesamten Urlaub zu verfassen, aber ich merke gerade, dass das dermaßen ausufern würde, dass sich das sowieso niemand durchliest.

Um es also kurz zu machen: Der Kurztrip wurde dann tatsächlich noch richtig aufregend (im positiven Sinne), wenn auch wenig erholsam. Wir haben tierisch viel unternommen, heiß diskutiert und für wenige Tage wieder Familie sein können, was ich wirklich sehr vermisst habe. Die Hochzeit, deretwegen wir die Reise überhaupt erst unternommen haben, war ein fulminantes Fest und die Rückreise erträglich.

Ein paar Menorcaimpressionen – in gewohnt unpersönlicher Manier, damit auch andere was mit dem Bildmaterial anfangen können – findet ihr unter der Rubrik Schaukasten.

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5 Responses

  1. Nikana

    Wunderbare Veranschaulichung des Absperrbandlabyrinths! Die Bilder finde ich auch toll, vor allem das der leeren beleuchteten Gasse (ich liebe solche Motive). Und der Sonnenuntergang. Und die Bäume auf dem Rasen. Und … ach, alle schön! :-)

    Kann man auf dem National Geographic Explorer eigentlich anheuern? :-)

  2. Hner

    Danke :)

    Genchen meinte, dass man da als Passagier mitfahren kann. Würde mich wirklich reizen.

  3. Spooked

    Oh! Wie schön! Ich will auch nach Menorca!

    Und ich hätte noch sehr gerne weitere 5 Seiten Bericht gelesen. Musste sehr lachen, beim Beifang in den Absperrbändern. Ich glaube, die haben das in GranCanaria gelernt, da machen die das auch so. Und ich verstehe, dass bei großem Andrang am Flughafen aus rein lagertechnischen Gründen eine derartige Lösung Sinn ergeben kann, aber bei meinen 6-Uhr-Flügen, wo außer mir immer noch ganze 5 andere Passagiere dabei sind, hat das Ganze überaus lorioteske Züge.

    So schöne Photos auch! Ich mag den langhaarigen Kopf über dem Türbogen, und das Wasser/den Springbrunnen! Und das alte Fenster! Waren die Pferde zum Reiten?

    Hach, ich will auch wieder verreisen, meine letzt Reise liegt schon 3 lange Monate zurück! ;) So eine Schiffreise wäre auch was feines!
    So, sorry, Kommentar in Beitragslänge… aber so bin ich nun mal. Selber schuld.

  4. Hner

    Die Pferdchen waren tatsächlich zum Reiten da. Dein Genchen hat sich da auch tapfer geschlagen! ;)

  5. Spooked

    Woah! Ich wollte doch auch mal wieder!

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