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Informationszeitalter

Mai 26th, 2009 by Hner

Wenn Genchen und ich uns nach einem langen, harten Arbeitstag am Abend wiedersehen, überfallen wir uns gewohnheitsmäßig mit den Nachrichten des Tages. “Hast du schon gehört, dass…”, “Du wirst es nicht glauben, aber…” usw.. Häufig fällt der intendierte Überraschungseffekt dabei aber ziemlich mager aus. Obwohl wir die Neuigkeiten gewohnheitsmäßig aus vermeintlich unterschiedlichen Quellen beziehen, gleichen sich die Berichterstattungen oft bis aufs Haar und das sogar im Falle von Regionalmeldungen.

Dieser Umstand hat mein Interesse an der Arbeit der Nachrichten-/Presse-Agenturen geweckt. Es liegt der Verdacht nahe, dass selbst für Lokalnachrichten heute vornehmlich auf Agenturmaterial zurückgegriffen wird. Redaktionelle Stellen in den Zeitungsverlagen werden abgebaut und die journalistische Arbeit reduziert sich zunehmend auf eine einfallslose Umarbeitung vorgekauter Agenturkost. Von Vielfalt kann im “Informationszeitalter” – zumindest was die prominenten Nachrichtenmedien anbelangt – längst keine Rede mehr sein. Augenfällig wird dieser Missstand besonders dann, wenn irgendeine willkürlich anmutende Meldung aus dem Ausland, die Seiten verschiedenster Zeitungen ziert bzw. Eingang in die Abendnachrichten unterschiedlicher Sendergruppen findet.

“Über 180 Nachrichtenagenturen gibt es zurzeit weltweit, von denen die meisten allerdings nur den Pressemarkt ihres eigenen Landes versorgen. In Deutschland sind es aus historischen Gründen besonders viele.”

(Quelle:wikipedia.de)

Von der zitierten Vielfalt, derer sich Deutschland angeblich rühmen kann, ist in der Praxis aber kaum mehr etwas zu spüren.

Aber, wo gehobelt wird, da…ja, da darf man sich auch über solche Späne nicht wundern. Auch in diesem Fall werden wieder wirtschaftliche Erwägungen (Stellenabbau bei den Agenturen) als eine der wichtigsten Ursachen für diese Entwicklung angeführt. Was dabei selten diskutiert wird, ist die Art und Weise in der mit bereitgestelltem Material umgegangen wird. Die Auswahl und die Art der Weiterverarbeitung obliegt nämlich immer noch den Materialverwertern und diese entscheiden vor dem Hintergrund des vermeintlichen Leserinteresses, was und in welcher Weise berichtet wird. Der “political-correctness-Wahn” und die Angst vor zuviel Profil hat nicht nur in der Politik skurrile Züge angenommen, sondern auch die Form der modernen Berichterstattung geprägt. Wer sich mit zu eigenwilligen Meldungen aus dem Fenster lehnt, der könnte womöglich fallen.
Da auch die Onlinepräsenzen besagter Medien an diesen Krankheiten leiden, kann so macher sich glücklich schätzen, dass textsemantische Kriterien bei der Evaluation von Double Content noch keine Anwendung finden.

Vielleicht lehne ich mich jetzt ja meinerseits zu weit aus dem Fenster, aber ich wünsche mir für die Zukunft ein weiteres Prosperieren unabhängiger deutscher Nachrichten-Blogs, das den Begriff “Informationszeitalter” auch im Nachrichtenbereich mit Leben füllt.

Vielleicht krieg ich dann in solchen Situationen auch öfter mal wieder ein Staunen auf Genchens Gesicht gezaubert! ;) Wenn das kein Ansporn ist…

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Posted in Alltag, Erschreckendes, Imbissbude, Meldungen, Zwischennetzliches

4 Responses

  1. Spooked

    Danke dafür.
    Ich sehe Euch im Übrigen vor mir, wie ihr versucht, Euch gegenseitig zu informieren. :P
    Was wollt Ihr denn um Himmels Willen (schreibt man das zusammen, religiöse Redewendungen stellen mich immer vor Probleme…) alles wissen?! Warum seid Ihr nicht zufrieden?!

    Ich habe mir, intuitiv, abgewöhnt, über Dinge zu reden, die ich über die breiten Kanäle erfahre… ergibt keinen Sinn mehr.
    Was mich bei uns in den Nachrichten allgemein auch nervt, ist, dass man eben, weil ja nur, was durch die Agentur-Weichmacher-Gleichmacher-Filter gelaufen ist, dem deutschen Publikum zuzumuten ist, extrem selten mal eine persönliche Sichtweise kriegt. Aber nein, das wäre dann ja tooootal subjektiv und überhaupt nicht repräsentativ! Oh Schreck, und wie soll ich das denn dann einschätzen?!
    (Und bei den wenigen Kommentaren, die sich zum Beispiel die Tagesthemen leisten komme ich mir immer eher wie in einer Loriot-Live-Aufführung vor.)
    So, sorry für die vielen Bindestrich-Wörter (denkt Euch hier mich, wie ich mit bedeutungsvollem Blick mit dem Finger einen Kreis in die Luft neben meiner rechten Schläfe male… :P ).

  2. Hner

    Zufriedenheit ist der kleine Tod…
    Hm, ne, der war schon was anderes! ;)

    Wie Genchen mich gerade aufgeklärt hat, werden die Meldungen bereits von seiten der Agenturen nach Priorität klassifiziert. Hast du den Filter für oberste Priorität aktiviert, schneien nur noch die “ganz wichtigen” Meldungen ins Haus. Und wer will schon Unwichtiges berichten? Es sei denn als Fugenmaterial für die hinteren Seiten. Ein Gutteil der Verantwortung liegt also doch in den Händen der Agenturen.

    “Was wollt Ihr denn um Himmels Willen (schreibt man das zusammen, religiöse Redewendungen stellen mich immer vor Probleme…) alles wissen?! Warum seid Ihr nicht zufrieden?!”

    Legitimer Einwand. Aber Wissen macht Ah!
    Die Schreibung ist im Übrigen richtig. ;)

  3. Spooked

    “Legitimer Einwand. Aber Wissen macht Ah!”
    Ja, bei dir vielleicht, bei den meisten anderen habe ich den Eindruck, Wissen macht Au! ;)

    Naja, das mag ja hilfreich sein, wenn die Agenturen nach Prioriäten sortieren, aber dann denke ich doch wieder, dass es im Verantwortungsbereich der Medien liegt, sich doch nicht alles vorfiltern zu lassen…
    Ich bin mir auf jeden Fall sicher, dass irgendwer schuld ist.

  4. Hner

    “Ich bin mir auf jeden Fall sicher, dass irgendwer schuld ist.”

    “Die anderen” eignen sich dazu immer ganz gut, wahlweise auch “die da oben”! ;)

    “Wissen macht Au!”

    Der war cool! :)

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