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Bachmannpreis 2009 – Andrea Winkler

Juni 27th, 2009 by Spooked

 

Andrea Winkler: das Portrait beginnt mit Zitat ihrer Geschichte “Niemand da”; sie wirkt brav und irgendwie hausfräulich; mag Distanz und beobachten; bevorzugt Literatur, die Vieles offen lässt gegenüber linear Erzähltem (das geht mir auch so, aber das kann halt leider fast niemand);

Vorgeschlagen von Paul Jandl liest sie jetzt “Aus dem Gras” und sie beginnt auch wirklich, indem sie “Aus dem Gras” sagt, bisher hat noch keiner seinen Titel gelesen, oder? Habe ja drei verpasst;

Es geht um eine (wirkliche) Hand (die gleich noch viel, viel öfter vorkommen wird) und darum, dass die Ich-Erzählerin (scheint ziemlich sicher eine Frau zu sein, denke ich, klingt nicht männlich) den Fuß auf das Gras setzen muss… schon wieder ein Schiff, aber auch ein Bahnhof aus Sträuchern, hm, hm, hm,… Es “rauscht und klopft” und ich merke, dass ich schon den Faden verloren habe; also für Prosa ist das aber sehr ätherisch; ne, ich habe es nochmal versucht, auch mit Lesetexthilfe, erfolglos, ich hole jetzt Kaffee;

Da wüsste ich nun als Jury gar nicht, was man da überhaupt dazu sagen könnte; nochmaliges Aufwachklatschen des Publikums;

Frau Fleischanderl wirkt erwartungsfroh und ja, sie legt los: da sei radikale Subjektivität, die Autorin dampft die Literatur auf ihr Wesentliches ein, auf die Inszenierung der Sprache… empfand das als eine Wohltat! Das Ich werde hier nicht vom medialen Getöse überlagert; wow, ganz ehrlich hatte ich mit eher gegenteiligen Aussagen gerechnet, aber Frau Fleischanderl scheint heute ganz klar auf der Suche nach dem, was für die Kunst und Künstlichkeit ist, zu sein;

Herr Mangold hatte darauf gehofft, als Letzter sprechen zu können, weil er den Text erklärt braucht; vermutet dann, dass man den Text mit sehr großen Worten umschreiben kann, ohne ihm näher zu kommen; Frau Feßmann hat jetzt mal keine handwerklichen Einwände, ist aber auch nicht glücklich mit dem Text; und ihr steht auch nicht der Sinn danach, eines anderen Menschen narzisstischer Allmachtsphantasie zuzuschauen, eben, eben, vor allem nicht, wenn sie so langweilig ist… mit mehr Phantasie vielleicht ja… die Autorin spiele fröhlich mit den Worten, aber der Leser werde gezwungen, jedem Wort wie ein Trüffelschwein hinterher zu schnüffeln oder so – sehr gut, Frau Freßmann gewinnt im Laufe der Zeit bei mir deutlich!

Frau Fleischanderl beklagt  jetzt überhaupt, dass die Jury vor lauter Suche nach zwischendeutscher Identität ganz vergisst, die Kunst in der Sprache und die Musikalität zu suchen (und zu besprechen); jetzt Herr Spinnen: hat sich ein Computerprogramm vorgestellt, dass die Konstruktion von Nomina und Verben in Musik umwandelt etc. redet über “semantisches Material aus dem Du”… ihm ist es nicht gelungen, die anderen, nicht  sprachlich-musikalischen eben zum Text hinzuzufügen… Jandl: Nicht-explizit-realistische Texte sind selten im Wettbewerb, da stürzt er sich jetzt drauf;  der Text sei ein “Reh in der Dämmerung an einem Abhang der Schläfrigkeit” – ja, doch, so habe ich ihn auch gesehen, aber er hat das anders gemeint; Frau Keller fühlt die “Virtuosität des Gewebes, des Geschwebes”,  dann irgendwas mit Wiederkäuen, wobei ich mir bei diesem Text das Wiederkäuen eher sparen würde;

Sulzer! Ja! Endlich! Keineswegs eine Wohltat zu lesen sei das; ein Schlaflied war das für ihn; er zynisiert, dass der Ton ja vielleicht ganz hoch sei und er, Sulzer, zu niedrig? Würde er den Text im Buchladen treffen, würde er nach einer Seite aufhören; hatte kein Vergnügen, wollte schon erst gar nichts sagen, weil er beim Lesen zuhause Mühe hatte, nicht einzuschlafen; danke Alain! Leider traut er sich aber jetzt nicht wirklich, gemein zu sein, meint das ist alles seine sehr subjektive Empfindung; Publikum klatscht (für Sulzers Einschätzung), traut sich aber auch nicht recht; Spinnen sagt jetzt was für die, die mitschreiben (uns?!): es dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass diese literarische Tradition einfach weggebürstet wird, gell, schwierige Literatur sei das halt, was die Rezeption angeht, Zeit ist Geld etc.; er hat die Hermetik und die musikalische Selbständigkeit als zu hoch empfunden;

Ijoma Mangold sagt meiner Meinung nach ganz richtig: der Text wird als Genre verteidigt, nicht als Text! Und dieser Text verschließe sich vor einer Angreifbarkeit; Jandl aber möchte Formen der Kritik finden, die solchen Texten adäquat werden; um schneller fertig zu werden unterbricht Frau Stadler jetzt Jandl, als der ein Zitat ankündigt, aber wie  nicht anders zu erwarten, verzögert sie damit nur unnötig;

Puh, vorbei; jetzt DDR-Literaturgespräch in der Pause; ich frühstücke.

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Posted in Literatur, Literaturcafé, Zwischennetzliches

One Response

  1. Chris

    Danke für diese kurze Zusammenfassung! Winklers Text “Aus dem Gras” hat in der Tat eine seltsame Diskussion über Subjektivität und Realismus entfesselt.
    Ich habe mein Frühstück bereits kurz vor 10:00 eingenommen, und so blieben mir all zu flaue Momente erspart.

    Vergleiche auch dazu:
    christianmittermayr.com/prj_gdnk/prj_gdnk_02.htm

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