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Bachmannpreis 2009 – Bruno Preisendörfer

Juni 25th, 2009 by Spooked

 

13.13 Uhr: Es kommt Bruno Preisendörfer, vorgeschlagen von Herrn Mangold, (ich verstehe immer Bono, wenn Clarissa den Namen sagt)

Portrait: Schon einige Veröffentlichungen, Story-Kannibalismus, Zeit spielt eine große Rolle, mag gerne das Futurum II, na dann, der Sprung zurück in die Vergangenheit, die man jetzt als Gegenwart erlebt?!

Oh, der nuschelt (Dritte?), das wird anstrengend, dem eine halbe Stunde lang zuzuhören… versteckt Anspielungen wie “Trüffeln” im Text;

Clarissa schmeißt ihr Namensschild zu Boden; Autor sehr aufgeregt, unruhig, rutscht nervös hin und her, na sowas. Sieht auch ganz anders aus als im Portrait, spricht auch zum Glück etwas anders;

“Der liebe Gott” sieht vom Weltraum aus die chinesische Mauer; Alter des “lieben Gotts”, Dinosaurier, Theo-Dingsbums-Problem (Theodize?!) (wobei das wirklich interessant sein könnte), Dinosaurier sterben aus, weil sie keinen Sex haben wollen, wenn gleichzeitig die Erde wackelt, weil sie so dick sind, dem “lieben Gott” ist das egal etc.

Astronaut blickt auch auf die Erde, dem ist auch egal, zumindest das, was er nicht sehen kann; Ist das ein Text für Kinder? Bruno liest auch ein bisschen so; ja, jetzt hat “der liebe Gott” auch noch eine Vergangenheits-Zukunfts-Fernbedienung, mit der er dem Pyramiden-Bau zuschauen kann… und die Erde ist eine “blaue Kartoffel”; in den besten Momenten erinnert der Tonfall an Ijon Tichy (also soll heißen Oliver Jahn als Tichy);

Das ist kein Bachmanntext – nicht für mich jedenfalls; ist ganz nett, da kann man auch recht gut zuhören, aber… also vielleicht liegt es auch am Tonfall, ich fühle mich unterfordert;

Ich glaube, Sulzer hat was mit dem Magen…

13.31 Uhr: Ich weiß noch immer nicht, warum der Autor das Bedürfnis hatte, diesen Text zu schreiben (aber das ist mir bei den vorhergehenden Texten auch nicht klar geworden), dauernd fühle ich mich versucht zu fragen, ob da noch was passiert, dabei möchte ich gar nicht immer darauf bestehen, dass immer was passieren müsste, muss ja gar nicht, aber wenn man dauernd das Gefühl hat, es müsse was passieren, ist das auch nicht gut…

“Schriftsteller sind fast immer die Schlimmsten von allen”, hach ja, da ist sie, die obligatorische Schreibbetrieb-Anspielung, aber Trüffel war das keiner; jetzt kommen doch noch die Todsünden; 13.43 Uhr: zu Ende; wer spricht zuerst?

Paul Jandl: Text der drei literarischen Gefahren Gott, Clowns und 50. Geburtstage, das sollte witzig sein; kann die Perspektiven nicht ganz zusammenbringen; 50jähriger Analytiker ist gleichzeitig Clown und weise wie Gott… möchte theologisch prüfen, ob Gott 50 Milliarden Jahre alt ist, Frau Stadler schreitet ein und gibt Meike Feßmann das Wort, die sich beschwert, dass die Frage den Witz kaputt macht; war am Anfang skeptisch wg. kindlichem Gottesblick oder so, aber war dann sehr angetan; Sulzer geht es wie Meike, gefesselt von Nach-Fern, Gott is der auktoriale Erzähler is der Gott über den Text, ja nun, gut, das war ja nicht so schwer; ist für ihn keine Erzählung, kann aber jetzt schon beurteilen, ob er das mag, es mäandert, er weiß nicht wohin er kucken soll, das sei ein guter Einstieg;

Ijoma Mangold möchte nicht jetzt kurz, sondern lieber gleich ausführlich kommentieren; erst Spinnen: hat das schon oft gelesen mit dem Gott, der seine Schöpfung nicht mehr ganz im Blick hat; ihm ging es beim 50. Geburtstag dreckiger; Jetzt Mangold: liest metaphysische Burleske, Schwierigkeit, Sinnperspektive zu finden, weil blauer Planet durch Kosmos ohne moralische Ordnung rast… Karin Fleischandel: kann dem Text nix abgewinnen, voller Klischees , warum ist ein Psychoanalytiker ein Clown – Spinnen interveniert und meint, dass der Mann an sich oder so morgens beim Rasieren vor dem Spiegel aus dem Clown wieder einen Endvierziger machen muss…

Hildegard Keller beobachtet, dass der Text polarisiert, ist erstaunt über tiefes Verstehen der Jury, erkennt Amerikanisches und fragt sich, warum nicht das bessere aus dieser Tradition genommen wird… Schade, das wirkt jetzt oberflächlich wie eine Diskussion, aber die reden doch aneinander vorbei und jeder trägt nur vor, was er daheim notiert hat;

 

oh doch, jetzt kommts: Frau Feßmann ist entgeistert, dass Frau Keller den Humor im Text und dem Handwerk wieder erkennt; Jandl geht auf das Handwerk ein, sprachliche Bilder, hat andere Vorstellung von Nilforschern als im Text dargestellt; findet das handwerklich nicht gelungen; Frau Feßman gibt nicht auf und spricht über die Erweiterung des Raumes, die sie besser findet als ein einfaches Kammerspiel, Spinnen nennt es nicht Erweiterung des Raumes, sondern Gedanken eines 50jährigen auf dem Weg zur Arbeit; Magold besteht darauf, dass man den Text zuallererst als “komödiantischen Text” lesen soll; Frau Fleischanderl hat keinen Erkenntnisgewinn, Ijoma schon; Fleischanderl sucht Grund für Selbstkonflikt des Analytikers, Frau Feßmann erklärt unbeeindruckt, die mag den Text wirklich; Aber Karin sieht die Ziele des Textes nicht eingelöst; erkennt nur Zynismus, Mangold will sich daran nicht stören;

Frau Stadler versucht die Diskussion zu ordnen: Handwerk oder Psychologie?

Sulzer: kommt auf den Schriftsteller-Satz zurück, weiß nicht, ob der Autor mit Banalitäten arbeiten will… findet das Erhabene und das Niedrige im Text, die anderen fragen sofort nach, wo das Erhabene sein soll… und Achtung, Herr Spinnen benutzt seinen Zeigefinger; Jandl findet es noch immer zu banal, dann Schweigen;

So, das wurde ja jetzt doch noch fast eine Diskussion! Und die Nächste bitte!

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Posted in Literatur, Literaturcafé, Zwischennetzliches

One Response

  1. Hner

    Hab’ mich noch gefragt, wie du diese wirre Diskussion zusammenfassen willst, aber es ist dir tatsächlich gelungen.
    Der Text von Herrn Preisendörfer war irgendwie ein wenig schizophren und, in der gewählten Zusammenstellung, fast schon makaber. Außerdem unbeholfen vorgetragen.

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