Bachmannpreis 2009 – Christiane Neudecker
Christiane Neudecker aus Berlin, vorgeschlagen von Meike Feßmann
Portrait selbst gemacht; Bachmannpreis als Boxkampf… gut, süß, aber sowas wirkt immer wie Brainstorming aus dem Kunst-LK; zweiter Teil des Intros interessant; Clarissa findet es offensichtlich gut;
Geschichte ist einem Software-Künstler gewidmet; und der Ich-Erzähler sei ein Mann, sagt Christiane Neudecker und liest dann;
Oh, das ist anstrengendes theaterhaftes Lesen; Beschreibung einer Tänzerin? Mit Programmierer-Tastenkombinationen?
Ich weiß nicht, das Ganze ist mir zu… zu… ich weiß nicht… viel zu viel stream of consciousness, das finde ich unerträglich schwierig, schwierig zum Zuhören, zum Mitdenken, zum Verstehen, und irgendwie auch langweilig; es kommt nicht über “literarische” Ergüsse von 15-Jährigen hinaus… zu viel, zu viel, zu viel Blabla;
hm, da ist einfach zu wenig Bild, ich brauche ein inneres Bild bei einem Text, das muss jetzt nicht heißen, dass der Text unbedingt bildhaft sein muss, nur muss er bei mir Bilder schaffen, sonst verstehe ich Texte nicht;
dieser Text endet mitten im Satz;
Frau Keller: Schatten machen Schatzkiste der Geisterwelt auf…, findet Text sehr präzis gemacht, das finde ich nun gar nicht, ich hätte mindestens 4/5 rausgekürzt; aber vielleicht meint sie nur die “technische Seite”; “Verflüchtigung des weiblichen Ichs”, hat schon wieder eine Frage an den Text und gerne mehr gehabt; Herr Sulzer konnte sich sofort die komplizierte Ballettfigur vorstellen, fand er einnehmend, na dann; hat eine Weile gebraucht, bis er erkannt hat, dass es eine klassische Horrorgeschichte ist, aha, das ist an mir irgendwie jetzt vorbeigegangen… Vergleich mit Daphne DuMaurier;
oh, oh, Frau Fleischanderl ist wieder nicht zufrieden; ihr fehlt das Bedrohliche… wie jetzt, stirbt er, löst er sich in einen Schatten auf, verschwindet er? Meike Feßmann kann erzähltechnisch genau sagen, wer da stirbt und wer nicht; analysiert weiter, erkennt einen Taschenspielertrick, Ich-Erzähler wird nach und nach von seinem Schatten gespalten, dann wird der Schatten zum Ich-Erzähler, findet, dass hier gezeigt wird, was Literatur kann, wenn sie spielt und trickst. Ich habe den Eindruck, dass ich da einen anderen Text bekommen habe… der Text, über den sie redet würde mich tatsächlich interessieren!
Jandl: hohe erzählerische Ökonomie?! Echt jetzt? “letzte existenzielle Gewissheiten werden aufgelöst”; Spinnen wusste schon wieder nach zwei Seiten, wie es endet, sagt, hier rächt sich sein “massenhafter Konsum solcher Texte zwischen dem 8. und 14 Lebensjahr” oder so… er hat – wen wundert’s – das alles schon 100 Mal gelesen; Lichtverschmutzung in Hong Kong ist zu wenig für ihn; Mangold fühlt sich unwohl dabei, muss aber dem Text trotzdem noch mal vorwerfen, dass das Thema schon mal da war, Geschichten vom Ich-Verlust und so…; außerdem ist ihm der Text zu ausgeklügelt; ein Jetset-Text der versucht ein altes Motiv in die Jetzt-Zeit zu übersetzen… na, aber das ist doch gute alte Tradition, oder nicht? Na, er findet es jedenfalls auch nicht spannend und vermisst das Unheimliche; Frau Stadler findet Herrn Mangold zu abgebrüht;
Feßmann: künstlicher Text, kunstvoller Text, sie zittert da nicht beim Lesen, findet es aber trotzdem toll; Spinnen philosophiert wieder, da verliert er mich immer;
Oh, Frau Stadler beschließt die Diskussion mit einem schlechten Kalauer (Schattenkabinett) und 3Sat schneidet den Rest ihres Satzes ab.
Ende für heute! Morgen geht’s weiter, allerdings leider mit Verspätung, weil meine Geschichtsklausur keine Rücksicht auf wichtige Literaturtermine nimmt…
Ich hoffe mal ganz stark, dass sich die Jury morgen noch wohler fühlt! Es wäre ja Potential für interessante Auseinandersetzungen da (alleine schon Frau Fleischanderls Willen zum unbedingten Widerspruch und Frau Feßmanns Uneinsichtigkeit, wenn sie was gut findet…)
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Juni 25th, 2009 at 15:37
Die liebe Frau Fleischanderl find’ ich furchtbar anstrengend und Herr Spinnen ertrinkt bald in Selbstgefälligkeit.
Der Text mag anstrengend gewesen sein, literarisch war er aber von allen, die ich bis jetzt mitbekommen habe, der interessanteste. Vielleicht ein wenig metapherüberladen und gewollt modern. Aber den Einwand, Texte dieser Art habe es bereits zahllose gegeben, finde ich geradezu lächerlich unbeholfen. Es mag solche Texte zuhauf geben, nichtsdestotrotz gehörte dieser zu den besseren. Und ob ein jeweiliges literarisches Produkt einem Genre Neues hinzufügt, hängt allein von den beim einzelnen Leser geweckten Assoziationen ab und entzieht sich einer wie auch immer gearteten Kritik. Der Vortrag war dagegen tatsächlich etwas gekünstelt.
Juni 25th, 2009 at 15:45
Mit Frau Fleischanderl habe ich auch so meine Probleme. Den Text fand ich gut, ganz klassisch, auch gut vorgelesen (das kommt bestimmt vom Theater). Bilder hatte ich allerdings die ganze Zeit im Kopf, die Schatten auf der Tastatur, die gebückte Frau mit der Zeitung als Sonnenschutz…