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Bachmannpreis 2009 – Gesammeltes

Juni 28th, 2009 by Spooked

 

So, noch ein paar zusammenfassende Abschlussgedanken:

Insgesamt bin ich von den Texten ziemlich enttäuscht, da war wenig für mich Gutes, Interessantes, Spannendes oder neugierig Machendes dabei, auch nix Aufregendes, Neues, Ausgefallenes oder Mutiges; ich hätte mir gewünscht, da wäre auch wenigstens ein Text drunter gewesen, der wirklich was gemacht hätte, sich was getraut (und zwar anders als Frau Winklers Text) hätte; sehr flaches Niveau alles zusammen;

Dann die Jury, es war natürlich spannend, die neue Jury erst mal kennen und vielleicht einschätzen zu lernen; alle alten Gesichter weg, viel Unberechenbares grade am ersten Tag; nach deutlichen Anlaufschwierigkeiten kamen sie dann aber recht schnell in Fahrt, und auch wenn ich schon mitreissendere Auseinandersetzungen gesehen habe, hätte es schlimmer kommen können;

Von Herrn Jandl hatte ich mir viel mehr versprochen, als kam; kaum dass er überhaupt mal was gesagt hat, und dann nichts von Bedeutung; Frau Keller war alleine schon wegen ihres Tonfalls eine Bereicherung, jedes Mal, wenn sie was gesagt hat, musste ich ihr fasziniert zuhören (nicht zustimmen meistens), bin immer noch verwirrt; Ijoma Mangold war nicht unbedingt in Hochform fand ich, aber hin und wieder kam was Gutes, was mich auch eher überrascht hat; Frau Feßmann kann ich auch jetzt noch nicht einschätzen, aber sie war auf jeden Fall ein Gewinn für die Runde, weil sie schön auf ihren Punkten beharrt hat, wenn sie einen hatte und so ein wenig für Konfrontation gesorgt hat; genauso wie Frau Fleischanderl, die ein wenig die Striegelsche Eingeschnappten-Linie weitergeführt hat, gegen Ende fand ich sie dann aber auch nicht mehr nur anstrengend, sondern nicht mehr wirklich bereichernd für die Runde; Burkhard Spinnen blieb sich treu, oder hat seine Spinnensichkeit, die einem bisweilen auf die Nerven gehen kann, noch ein wenig gesteigert, es ist schön, dass er dabei ist, alleine schon, weil er (vielleicht auch durch den Vorsitz) der Einzige war, der durchgehend engagiert gewirkt hat; verblüffenderweise war es dann irgendwie Alain Claude Sulzer, dem ich viel Gutes abgewinnen konnte; letztes Jahr wollte ich jedes Mal umschalten, sobald er aufgetaucht ist, da war ich also wirklich positiv überrascht, bin aber irgendwie trotzdem noch skeptisch;

Dann aber noch eine allgemeine Rüge an die Jury, die teilweise wirklich weder engagiert, noch “in den Texten” war; ich fand es sehr schwer, die Texte so schnell ganz zu erfassen, Strukturen oder große Themen bleiben bei der Art von Lektüre natürlich oft verborgen; die Juroren aber hatten die Texte ja schon lange vorliegen und hätten sich da wirklich damit befassen können, das ist aber meinem Eindruck nach nicht so richtig umgesetzt worden… schade. Aber vielleicht waren ja auch die Texte teilschuld;

So, was gar nicht ging, war natürlich Frau Stadler, die nervt, nervt, nervt, ich mag da gar nix mehr zu ihr sagen, sondern ergehe mich in Grandits-Nostalgie…

Und morgen dann also die Preise, irgendwie nicht das, was Klagenfurt ausmacht, aber ich bin natürlich trotzdem gespannt, was bei der ganzen Sache rauskommt und wie die Jury eine Preisvergabe überhaupt rechtfertigt…

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Posted in Literatur, Literaturcafé, Zwischennetzliches

One Response

  1. Hner

    Deine Einschätzung kann ich voll und ganz teilen. Ich hab’ das zwar letztes Jahr nicht verfolgt, die diesjährigen Texte waren aber im Großen und Ganzen wenig berauschend.
    Die Jury fand ich ich ebenfalls durch die Bank eher enttäuschend. Und wie du bereits angemerkt hast, waren die Anschlussdiskussionen eher von der mauen Art.
    Ich will dir hier nochmal ein großes Lob für die umfassende Berichterstattung aussprechen. Die Beiträge waren eine echte Bereicherung. Danke!

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