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Bachmannpreis 2009 – Jens Petersen

Juni 26th, 2009 by Spooked

Wir kommen zu Jens Petersen;

Autorenportrait: Grenzsituationen in denen man Menschen antrifft, persönliche Erfahrungen mit dem Tod, Autor glaubt Vieles…

Text: Bis dass der Tod; Er liest mutigerweise das letzte Kapitel seines Romans;

Heizkraftwerk, Spucke, Kanüle… nicht so meine literarische Welt… mal sehen;

Diese minutiösen Beschreibungen von Dingen, von Menschen, von banalen Tätigkeiten, finde ich am Bachmann-Text-typischsten, und die liegen mir irgendwie nicht… auch dieses Depressive… naja, zugute halten kann man ihm jedenfalls, dass der Text und die Art des Vortrags ineinander klingen.

Ich würde mich fragen, warum er so einen Text schreibt, aber das kam ja am Anfang des Portraits raus: Arzt, Tod und Leiden etc., aber da sagt er auch, dass er einen Rückzugsraum braucht in der Literatur… aber das hier ist doch Aufarbeitung, (wenn nicht Sich-Drin-Wälzen), nicht Rückzug, oder?

Ach, der Großvater aus Kiev, den vermutet man eigentlich in jedem Bachmann-Text. Ist das ein automatischer Literaturkritikpunkt? Wirkt jedenfalls bekannt und hier überflüssig, für mich. Ich weiß nicht, jetzt auch noch die Mutter Alkoholikerin? Alles kaputt, ich bin schon ganz…. ach, ich weiß nicht, ich fürchte, ich finde einfach den Autor unsympathisch, liegt wohl an seinem Mund;

Oh! Eine kalte Pistole! Ob Spinnen sagen wird, dass er das schon vorhergesehen hat? 

Alle tot, der Text zu Ende:

Frau Feßmann: beklemmend und klaustrophobisch, Text stellt dar, wie es Menschen geht, in deren Umfeld ein Tod vorfällt: Abschottung, hier dann Selbstmord; findet Klaustrophobik akzeptabel wegen des Themas, kann Motivation für Arzt als Schriftsteller nachvollziehen, die ganze Welt soll Grausamkeit erfahren, gut ja… kann das aber literarisch nicht nachvollziehen, ja doch, so ging’s mir auch. Aber jetzt: “Prärieromantik”… die habe ich nun nicht gefunden; Mal sehen, wie es Paul Jandl fand… der analysiert die Bilder, “Strommasten in Totenstarre”, “verhungerter Wolf im ausgetrockneten Bachbett”, meint, das wäre die maximale “Strichliste der Ingredenzien des Todes”, mehr wäre da nicht mehr gegangen;

Sulzer findet Text genau richtig lang (das war jetzt aber an Jandls Listenlängenthematik vorbei, oder?) argumentiert und liest das “aus dem Bauch heraus”, Nana ist für ihn eine bedrohliche Präsenz (ja, das kann ich nachvollziehen); an ihn (Sulzer) werde genau das vermittelt, was der Autor ihm erzählen wolle (aber wie kann er denn das wissen?!); ist ziemlich restlos begeistert;

Diesmal macht Fleischanderl die Nacherzählung, zur Illustration der Gefahren des Themas; meint aber, dass der Autor die Geschichte gut zwischen den Gefahren umgesetzt hat; Ah, Ijoma hat den Text nicht ganz verstanden, lässt sich davon aber nicht irritieren, ist außerdem nicht mit Karins Inhaltsangabe einverstanden; so, und jetzt sieht er Bedeutung im Text, die er nicht richtig zu deuten vermag… also was? Weiter erkennt er in der Bildsprache eine “postapokalyptische Szenerie”; im “Zwischendrin” zwischen Land und Stadt spiele sich eine romantische Liebestodgeschichte ab, oder so; möchte seine Unfähigkeit der Auflösung der Spannung nicht gegen den Text wenden, das ist nett, aber vielleicht auch nur gut gemeint;

Spinnen: furchtbare zeitgenössische Variante des Selbstmordes; Spinnen läuft es eiskalt den Rücken runter, wenn er sich diese Existenz vorstellt, ja, mir auch. Er aber ist wohl wirklich gespannt auf den Rest des Romans, mit dieser tragisch zeitgenössischen Figur, ach ne. Jandl erwähnt auch mein eingangs erwähntes Heizkraftwerk, in Bezug auf die Künstlichkeit des Textes… das erschließt sich mir jetzt nicht ganz; schwankt zwischen Künstlichkeit (was den Text für ihn literarisch wertvoll machen würde, künstlich wohl im Sinne von kunstvoll, oder?) und Kitsch.

Was ich an Hildegard Keller schön finde, ist, dass sie, völlig die Konventionen der normal-gesprochenen Sprache missachtend, Wörter wie “gleichwohl” benutzt. Und sie hat schon wieder Fragen. Sie will wissen, warum die Nana überhaupt stirbt, findet die Motivation von Alex nicht, aber dafür einen “unerhört lichtloser Raum”; oh, Clarissa krittelt, dass da ja quasi keiner mitreden kann, der noch nicht in der entsprechenden Situation war, o là là, das war aber wieder ein krasser Bruch mit ihrer Moderatorenrolle und gar nicht nett;

Keller weiter: “göttliche Besoffenheit eines auktorialen Erzählers”; Spinnen: das ist aber ein personaler Erzähler, der zwei Stunden zwei Stunden vor einem unerhörten… habe seinen Faden verloren; Auch Frau Feßmann würde sich für die Krankheit der Frau interessieren und findet es ausgezeichnet gemacht, dass sich in dem, wie Alex mit der “Puppe” Nana umgeht erkennen kann, wie die Frau vorher mal war; Mangold wendet ein, dass zu viele Einwände zurückgewiesen werden würden, denn die machen den Text doch aus, sagt er. Sieht auch den von Jandl angesprochenen Kitsch, meint aber hier sei das “hart am Kitsch segeln“  (ah, das wird zitiert und zitiert und zitiert werden) sehr gut gelungen. Und Spinnen möchte sich jetzt für einen Einwand entschuldigen, wie versöhnlich sie sind…

Frau Fleischanderl kommt auf die postapokalyptische Landschaft zurück, die ihr erst gar nicht so aufgefallen ist, bevor nicht Herr Jandl seine Liste vorgestellt hat, prahlt mit Fachwissen, es gäbe da etwas, das nenne sich “Metonymie”, hier heißt dass, die Gefühle des Menschen, die Frau Keller sucht, soll sie mal in der Landschaft suchen; (Kurzer flapsiger Hintergunddialog Jandl: “Der Wolf liegt übrigens in der Vergangenheit” – Fleischanderl: “Eben!”)

Frau Stadler möchte zum Ende kommen und findet das ein “ziemlich einheitliches Urteil”, da wird sofort widersprochen – mit Recht! Sie gibt die Zusammenfassung leicht eingeschnappt ab, und Herr Spinnen hat ganz Recht, wenn er sagt, es soll ja am Ende keine umfassende Note abgegeben werden. “Es steht so wie es steht und da müssen wir jetzt drüber schlafen.”

Hopplahopp geht es weiter, Clarissa wirkt angefressen, warum hat Ernst A. überhaupt aufgehört?! Das schreit nach einer Online-Petition… ich will ihn zurück!

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Posted in Literatur, Literaturcafé, Zwischennetzliches

One Response

  1. judith

    Ich muss hier unbedingt zustimmen, die Moderation war wirklich unsäglich! Auch heute wieder bei der Abstimmung und Preisverleihung – unprofessionell, dumm und penetrant diese Frau. Wäre auf jeden Fall bei einer Petition für Ernst A. dabei. Seine steife Art gab dem Ganzen immer sowas Würdevolles

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