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Bachmannpreis 2009 – Karl Gustav Ruch

Juni 26th, 2009 by Hner

Vorstellungsvideo: Der schweizer Autor fühle sich sowohl im Spanischen wie auch im Deutschen zuhause. War früher Musiker, studierte dann unter anderem Philosophie und Germanistik.

Text: “Hinter der Wand”

Sowohl der Rhythmus des Textes als auch der melodiöse Vortrag fesseln von Anfang an, wie ich finde.

Impressionen aus der Nachbarschaft. Spannende Einblicke in das Leben der Nachbarn des Ich-Erzählers. Vornehmlich akustisch und immer fragmentarisch. Lebendig erzählt. Einzig die spanische Flucherei könnte etwas Abwechslung vertragen. Aber das soll wohl ein Papagei sein. Außerdem geheimnisvolle Geräusche aus der Wand, die sich keiner erklären kann. Termiten sollen verantwortlich sein, Rumänen oder Schwarzafrikaner. Jeder, mit dem der Erzähler darüber zu reden versucht, findet eine andere Erklärung. Der Ich-Erzähler wird langsam paranoid, vermutet einen Gegenlauscher auf der anderen Seite der Wand. Durch die tagebuchartige Konzeption gewinnt die Geschichte an Dichte.

Hr. Sulzer findet, der Geschichte sei gegen Ende die Luft ausgegangen. Die literarische Aufarbeitung musikalischer Eindrücke sei nicht gelungen. Seh ich jetzt anders.

Hr. Spinnen schließt sich Hrn. Sulzer an. Wirft dem Autor ein wenig Selbstverliebtheit vor. Vergleicht unentwegt mit Spitzweg. Insgesamt nicht gelungen, meint er.

Fr. Feßmann fand die Idee hinter der Geschichte gut, die Ausarbeitung dagegen zu schematisch. Nur weil ein Motiv schon dagewesen sei, müsse eine Wiederholung nicht per se schlecht sein.

Fr. Keller versucht es wieder vermittelnd. Viel gut, manches schlecht.

Mangold wird gleich gnadenlos. Die Geschichte sei eine bedeutungslose Zusammenstellung von Klischees und einfach Trivialliteratur.

Jandl vergleicht den Text mit einer Oper und verteidigt die klischeehafte Ausführung mit dem Verweis auf ihre Funktion.

Spinnen will jetzt mal nicht spitzfindig werden und wird es dann natürlich doch: Nicht jede Ich-Erzählung sei eine Rollenprosa.

Fr. Fleischanderl fühlt sich in keinster Weise an andere Texte erinnert und fand die Erzählung interessant.

Für mich war die Lesung Karl Gustav Ruchs das vorläufige Highlight dieser Veranstaltung. Liebevoll verfasst, mit viel Gefühl für sprachliche Details, einem treibenden Erzählrhythmus und einer spannenden Geschichte. Klischees zu vermeiden, wäre im Rahmen dieser Erzählung sogar verfehlt gewesen. Es geht um einen allzu neugierigen Ich-Erzähler, der aus akustischen Fragmenten die vermeintliche Lebenswelt seiner Nachbarn entwirft. Jedes Geräusch erfüllt eine Funktion und gehört zu jemandem. Nur dieses eine Geräusch…:)

Mittagspause!

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One Response

  1. Scriberius/Projects/Viktualienmarkt

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