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Epigenetik

Juli 3rd, 2009 by DasGen

Da zur Zeit die Epigenetik ein ganz heißes Thema zu sein scheint, hier ein paar Fakten zu diesem Fachgebiet, damit man auch als Laie verstehen kann, worum es dabei geht.

10 Fakten zur Epigenetik

1) Was ist Epigenetik?
Lange Zeit dachte man, die Genetik, deren Forschungsschwerpunkt die DNA darstellt, könne alle Fragen nach den Abläufen der Vererbung beantworten. Mittlerweile konnte mehrfach nachgewiesen werden, dass nicht allein die Ausstattung mit Genen über Aussehen, mögliche Krankheiten und anderes bestimmt. Die Epigenetik verspricht Licht in so manches Vererbungsrätsel zu bringen. Die noch relativ junge Forschungsrichtung untersucht Mechanismen, die die Genregulation und Genexpression steuern. Also diejenigen Vorgänge, die darüber entscheiden, welche Gene tatsächlich aktiv sind bzw. ungenutzt bleiben.

2) Seit wann gibt es die Epigenetik?
Die Epigenetik ist ein verhältnismäßig junges Untersuchungsgebiet. Der britische Biologe Conrad Hal Waddington (1905-1975) gilt heute als Begründer dieser Forschungsrichtung. Er definierte 1942 erstmals den Begriff „Epigenetik“.

3) Welche Mechanismen liegen der Epigenetik zugrunde?
Es gibt verschiedene Wege auf denen epigenetische Faktoren die Umsetzung der Gene regulieren. Zum einen sorgen Methylgruppen dafür, dass bestimmte Abschnitte der DNA besser, schlechter oder gar nicht zugänglich sind. Zum anderen können bestimmte Eiweiße, sogenannte Histonproteine, um die die DNA gewickelt ist, verändert werden. Beide Vorgänge sorgen dafür, dass die betroffenen Gene häufiger, seltener oder gar nicht umgesetzt werden. Die sogenannte RNA-Interferenz setzt an einem späteren Zeitpunkt der Genregulation an. Durch diesen Mechanismus werden bereits entstandene Proteinvorlagen (Boten-RNA) abgefangen und das Entstehen der entsprechenden Eiweiße wird verhindert.

4) Welche Bedeutung kommt epigenetischen Faktoren zu?
Das Epigenom, also die Summe der epigenetischen Faktoren, ist nicht nur in der Entwicklung eines Lebewesens von entscheidender Bedeutung, sondern reguliert nach heutigem Forschungsstand auch im Laufe des Lebens viele relevante Vorgänge.

5) Kann sich das Epigenom im Laufe des Lebens verändern?
Die Faktoren, die das Epigenom eines Lebewesens ausmachen, sind keineswegs starre Gebilde. Heute weiß man, dass bspw. Methylierungen einem ständigen Wandel unterzogen sein können. Sie können bedingt durch Umwelteinflüsse neu entstehen oder an anderer Stelle wieder abgebaut werden. Neben der Ernährung scheinen u.a. auch psychische Faktoren Veränderungen im Epigenom auslösen zu können.

6) Können epigenetische Marker vererbt werden?
Im Jahr 1999 konnte die Biologin Emma Whitelaw nachweisen, dass das Epigenom vererbt wird. Dies ist insofern wenig verwunderlich, als die DNA in Form von Chromosomen vererbt wird. Methylgruppen und Histonproteine sind Bestandteil der Chromosomen und werden somit an die Nachkommen weitergegeben. Inzwischen ist zudem bekannt, dass die Vererbung der epigenetischen Marker nicht bei den direkten Nachkommen halt macht, sondern sich über mehrere Generationen fortsetzen kann.

7) Haben epigenetische Faktoren Einfluss auf die Entstehung von Krebs?
Die Entstehung von Krebs kann eine bis heute nicht abschließend überblickte Vielzahl von Ursachen haben. Studien konnten belegen, dass es häufig dann zu Krebs kommt, wenn die reguläre Teilung der Zellen gestört ist. In einem gesunden Organismus sorgen bestimmte Gene für die Kontrolle der Zellteilung. Methylierungen an diesen Genen können diese inaktivieren und zu unkontrollierten Zellwucherungen – Krebs – führen. Andersherum können Zellen, die die Entstehung von Krebszellen verhindern, durch Methylgruppen blockiert sein. Das in Grünem Tee enthaltene Epigallocatechin-3-gallat (EGCG) bspw. scheint dafür zu sorgen, dass eben diese Zellen wieder aktiviert werden.

8) Welche Bedeutung hat die Epigenetik für heute weit verbreitete Krankheiten?
Die Erkenntnis, dass epigenetische Faktoren auf weitere Generationen vererbt werden können, führte zwangsläufig zur Vermutung, dass die Ursache mancher Krankheit im Epigenom zu suchen ist. Trotz komplexer Vererbungsmuster konnte bspw. in vielen Fällen ein Zusammenhang zwischen schlechten Ernährungsbedingungen der Eltern und einem Auftreten von Diabetes in der Folgegeneration festgestellt werden. Bei Mäusen zeigte sich, dass eine Unterernährung der Elterngeneration sich über Generationen in Form von diabetischen Erkrankungen äußern kann.

9) Wie kann man das Epigenom untersuchen?
Die Wissenschaft ist heute mit verschiedenen Methoden ausgerüstet, die die Untersuchung epigenetischer Komponenten ermöglichen. Dabei ist weniger die DNA selbst im Blickpunkt der Forschung, als vielmehr die aus der DNA entstandenen Eiweiße. Durch molekulare Verfahren werden alle diese Genprodukte in einer Zelle sichtbar gemacht. Vergleicht man nun die Genprodukte von Eltern und Nachkommen, können epigenetische Veränderungen sichtbar gemacht werden.

10) Ist der epigenetische Code bereits entschlüsselt?
Obwohl man heute bereits vieles über das Epigenom weiß, steckt die Epigenetik noch in den Kinderschuhen. Die Entschlüsselung der epigenetischen Faktoren stellt die Wissenschaft vor keine leichte Aufgabe. Die unzähligen beteiligten Komponenten zu einem verständlichen Bild zusammenzusetzen, wird weitere Jahre der Forschung beanspruchen und mag sich möglicherweise noch komplizierter darstellen als die Entschlüsselung des genetischen Codes.

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