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Genetik: Kann transgener Fisch die Überfischung der Meere stoppen?

September 2nd, 2009 by DasGen

Jährlich werden weit über 100 Millionen Tonnen Fisch und Meeresfrüchte konsumiert. Um die Plünderung der Meere aufzuhalten, forschen Wissenschaftler weltweit an schnell wachsendem, transgenem Fisch. Doch die genetisch manipulierten Tiere werfen neue Probleme auf

Das Ziel klingt verführerisch: Fisch so zu manipulieren, dass er nicht nur schneller wächst als herkömmliche Arten, sondern zudem gegen Krankheitserreger resistent und darüber hinaus noch unempfindlich gegenüber Kälte ist. Die Möglichkeiten der Gentechnik lassen heutzutage diese noch vor nicht allzu langer Zeit utopischen Wünsche Wirklichkeit werden. Dabei geht man mittlerweile soweit, nicht nur die Gene der jeweiligen Art zu verändern, sondern in die Tiere oder Pflanzen artfremde – bisweilen auch menschliche – Gene einzuführen. Wird ein Organismus mit Genen einer anderen Art ausgestattet, bezeichnet man ihn als transgen.

Transgener Fisch zur Rettung der Wildbestände?

Wissenschaftler rund um den Globus arbeiten daran transgene Fische zu erzeugen, die der steigenden Nachfrage der Verbraucher gerecht werden können. Neben Forellen und Karpfen liegt das Interesse der Forscher vor allem bei atlantischem Lachs.
Im Jahr 2005 wurden weltweit über 93 Millionen Tonnen Fisch und Meeresfrüchte gefangen, zudem knapp 50 Millionen Tonnen in Aquakulturen erzeugt (Quelle: Food and Agriculture Organization). Eine schnelle und problemfreie Zucht transgener Tiere soll nun die Überfischung der Meere verlangsamen, wenn nicht gar stoppen.

Gentechnik im Aquarium

Öffentlich vermarktet wurden bisher lediglich transgene Zebrafische. Die von der Universität Singapur entwickelten fluoreszierenden Tiere sind in Taiwan seit Mitte 2003 erhältlich. In den USA können sich Aquaristen seit 2004 an sogenanntem „GloFish“ erfreuen; Ebenfalls Zebrafische, die dank eines Gens der Seeanemone bei Lichteinfall leuchten.

Transgener Fisch: Eine Bedrohung natürlicher Fischbestände?

Nun wird auch die kommerzielle Zucht transgener Fische für den weltweiten Konsum nicht mehr lange auf sich warten lassen. Um die möglichen Risiken einschätzen zu können, forschten Wissenschaftler der Universität Göteborg im Auftrag der EU an den transgenen Tieren. Das Hauptaugenmerk lag hierbei auf den Auswirkungen, die die ungewollte Freisetzung der transgenen Fische auf die natürlichen Fischbestände haben kann. Die Ergebnisse der Studie sind alarmierend: Es sollte davon ausgegangen werden, dass transgener Fisch – wird er einmal in die Umwelt entlassen – die vorhandenen, nicht genetisch manipulierten Fische verdrängt. Diese Folge wäre nur allzu logisch, schließlich wurde der transgene Fisch ja gerade dazu gezüchtet, widerstandsfähiger zu sein als die natürlichen Artgenossen.

Neue Eigenschaften mit unerwünschtem Nebeneffekt

Die artfremden Gene, mit denen transgene Fische ausgestattet sind, helfen ihnen bspw. kältere Temperaturen zu tolerieren. Kälteeinbrüche, die herkömmliche Fischbestände bedrohen, sind für die gentechnisch veränderten Tiere kaum ein Problem. Das schnellere Wachstum der transgenen Fische verschafft ihnen zudem Vorteile im Konkurrenzkampf um Nahrung und Lebensraum. Und schließlich sind natürlich vorkommende Fische durch Krankheiten und Gifte bedroht, die den manipulierten Fischen dank ihrer zusätzlichen Gene häufig nichts anhaben können. Für die Verbraucher kommt durch eben diese Veränderung noch ein weiteres Problem hinzu: Da der transgene Fisch gegen manche Gifte resistent ist, können sich diese im Organismus unbehelligt ansammeln. Der Konsument nimmt am Ende diese Pestizide beim Verzehr des Fisches auf.

Trasgenen Fisch mit Vorsicht genießen

Auch wenn transgen erzeugter Fisch die Hoffnung birgt, die natürlichen Fischbestände vor übermäßiger Befischung zu schützen, sollte diese moderne Form der Zucht mit Vorsicht betrieben werden. Die Wissenschaftler um Fredrik Sundström der Universität Göteborg raten deshalb dazu, transgenen Fisch ausschließlich in streng kontrollierten Aquakulturen im Landesinneren zu züchten.

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Posted in Biologie

2 Responses

  1. emilia

    Ja,das ist ein sehr wichtiges Thema!Das ist wirklich sehr interessant für mich!Besten Dank für die ausführliche Infos und für den Artikel!

  2. Friedrich

    Selbst in kontrollierten Anlagen ist ein solches Zuchtprogramm bedenklich. Mutationen setzen an verändertem Genmaterial anders an und die Konsequenzen sind nicht absehbar. Wirklich informativer Beitrag!

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