Die Entdeckung der Langsamkeit
Elektrische Impulse können Menschen in Zeitlupe versetzen
Wissenschaftlern des London University College ist es kürzlich gelungen mit Hilfe elektrischer Wellen die Bewegungen freiwilliger Versuchsteilnehmer zu verlangsamen.
In der Neurologie ist es heute nicht nur möglich die elektrische Aktivität im Gehirn zu messen (EEG), sondern auch auf diese einzuwirken (Transkranielle Wechselstromstimulation, tACS). Das machten sich die Forscher um Alek Pogosyan bei ihrem Versuch zunutze. Sie konzentrierten sich dabei auf Hirnwellen mit der Frequenz 20 Herz, die zu den sogenannten Beta-Wellen zählen. Beta-Wellen können zum einen im REM-Schlaf gemessen werden, darüber hinaus treten sie auf, wenn tonische (unbewusste) Kontraktionen stattfinden. Die Tatsache, dass die Beta-Aktivität im Gehirn kurz vor dem Ausführen einer bewussten Bewegung stark abfällt, brachte die britischen Forscher auf ihren Versuchsansatz. Sie wollten feststellen, welche Folgen die Aufrechterhaltung der Beta-Aktivität während bewusster Bewegungen hat.
Dazu sollten Versuchsteilnehmer mit einem Joystick einen Punkt auf einem Bildschirm im Inneren eines sich bewegenden Kreises halten. Führten die Freiwilligen den Versuch ohne Einwirken der Wissenschaftler durch, konnte – wie erwartet – kurz vor der Bewegungsreaktion ein Abfallen der Beta-Wellen gemessen werden. Als die Forscher jedoch das Nachlassen der Beta-Aktivität mit Hilfe von Elektroden am Kopf der Versuchspersonen verhinderten, passierte das Erstaunliche: Zwar konnten die Versuchspersonen weiterhin genauso schnell motorisch reagieren, doch waren ihre Bewegungen stark verlangsamt. Den Wissenschaftlern war es geglückt, die Studienteilnehmer durch Beta-Wellen in Zeitlupe zu versetzen. Dieser Effekt trat jedoch nur dann ein, wenn es sich um bewusste Bewegungen handelte; unbewusste, reflexartige Bewegungen hingegen konnten auf diese Weise nicht beeinflusst werden.
Mit dieser Studie gelang es erstmals, einen Zusammenhang zwischen oszillierender Hirnaktivität und motorischen Reaktionen nachzuweisen. In der medizinischen Forschung könnten die Ergebnisse bei der Entwicklung von Behandlungsformen für die Parkinsonkrankheit helfen. Die erhöhte Beta-Aktivität, die bei Parkinsonkranken auftritt, könnte möglicherweise die Ursache für die verlangsamten Bewegungen der Betroffenen sein.
Posted in Biologie



Oktober 19th, 2009 at 11:02
Spannend! (Und ein bisschen irre…)
Aber ich würde ja lieber schneller als langsamer werden… bin schon viel zu langsam, geht das auch umgekehrt?