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Die Wahrheit liegt im Auge des Betrachters

Oktober 18th, 2009 by DasGen

Von den Augen ablesen, was jemand weiß. Was klingt, als wäre es aus einem Science-Fiction Roman entlehnt, ist amerikanischen Forschern nun gelungen.

Versucht man, sich bewusst an etwas Vergangenes zu erinnern, ist bei diesem Prozess der Hippokampus von entscheidender Bedeutung. Welche Rolle dieser Hirnregion dabei aber genau zugeschrieben werden kann, wird in Fachkreisen kontrovers diskutiert. Eine Theorie besagt, dass selbst wenn ein Mensch sich nicht bewusst an etwas erinnern kann, der Hippokampus nichtsdestotrotz die richtige Information weitergibt.

Um dieser Theorie genauer auf den Grund zu gehen, führten die beiden Doktorinnen Deborah Hannula und Charan Ranganath an der Universität von Kalifornien eine Studie durch. Sie zeigten Versuchspersonen verschiedene Szenen, jeweils zeitgleich mit dem Bild eines Gesichtes. Die Studienteilnehmer sollten sich diese Paare aus einer Szene und einem Gesicht einprägen. Zu einem späteren Zeitpunkt wurden den Teilnehmer die Szenen erneut gezeigt und sie sollten jeweils aus drei Gesichtern das Gesicht auswählen, das zuvor mit der Szene assoziiert war. Während die Versuchspersonen sich bemühten, sich das richtige Gesicht in Erinnerung zu rufen, wurde ihre Hirnaktivität mittels Magnetresonanztomografie (MRT) überwacht. Darüber hinaus wurde auch die Bewegung ihrer Augen während des Erinnerungsprozesses aufgezeichnet.

Von der Augenbewegung der Studienteilnehmer konnten die Wissenschaftler nun geradezu ablesen, welches das richtige Gesicht war. Denn der Blick der Teilnehmer richtete sich meist länger auf das gesuchte Bild als auf die beiden anderen. Noch erstaunlicher waren die Ergebnisse der MRT: Die Hippokampus-Aktivität spiegelte die Tendenz der Teilnehmer wider, das vorher mit der Szene verbundene Gesicht anzusehen. Selbst wenn sie nicht im Stande waren, das richtige Gesicht zu identifizieren, hätte man es doch anhand ihrer Hippokampus-Aktivität ausmachen können. Die Wissenschaftler konnten den Teilnehmern die richtige Antwort also sprichwörtlich von den Augen ablesen.

Dass sich manche Teilnehmer – obwohl die Erinnerung an das richtige Gesicht offensichtlich vorlag – für ein falsches Bild entschieden, erklären möglicherweise die weiteren Ergebnisse der Studie: Die Aktivität des präfrontalen Cortex – einer Hirnregion, die bei der Entscheidungsfindung eine bedeutende Rolle spielt – spiegelte wider, ob sich die Teilnehmer richtig oder falsch entschieden hatten. Zudem hatte die Kommunikation zwischen dem Hippokamus und dem präfrontalen Cortex zugenommen, wenn sich die Teilnehmer für das richtige Gesicht entschieden hatten. Nicht aber wenn die Teilnehmer mit ihrer Entscheidung daneben lagen.

Erinnerungen scheinen demnach auch dann unbewusst vorzuliegen, wenn wir selbst nicht mehr bewusst auf sie zugreifen können. Möglicherweise liegt eine falsche Erinnerung „nur“ daran, dass die Kommunikation zwischen den betreffenden Hirnregionen nicht ungestört abläuft.

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