Bachmannpreis 2011 – Bachmannt es wieder!
Morgen geht es ja los, die Leistungschau, das Wettlesen, das öffentliche Sezieren (s.u.) und ich freu’ mich schon so! Ursprünglich dachte ich ja, die Ereignisse aus einem Internet-Café in Zagreb zu verfolgen und zu dokumentieren, daraus ist nichts geworden. Dafür habe ich aber vielleicht hier eine Winzigkeit mehr Zeit, die Eindrücke entsprechend zu verarbeiten.
Es begann heute abend mit der Eröffnung in Klagenfurt, die sich durch weniger depressive Musik als letztes Mal und einem Redenschwung auszeichnet.
Clarissa Stadler ist in ihrem Element. Ich möchte gerne versuchen, sie a) dieses Jahr möglichst zu ignorieren und daher b) sie dementsprechend selten zu erwähnen. Wir werden sehen…
Willy Haslitzers einführende Worte wirken nett, verbindlich, wie auf einer Familienfeier in einem Fernsehfilm aus den späten 50ern. Er wirkt angenehm unaufgeregt, altmodisch aber nicht veraltet, wieso moderiert er nicht die Veranstaltung? Auch wenn er Sachen sagt wie “[Lesungen], die wirklich total wahrgenommen wurden”, hihi.
Und er verwendet vorsichtshalber gleich alle Kosenamen der Veranstaltung, bin gar nicht mehr mitgekommen, konnte aber “Wettlesen” und “Betriebsausflug” definitv ausmachen.
Oh wei, Burkhard Spinnen wirkt bereit bei der Rede des Kulturreferenten angeschlagen. Aber seine Mimik ist ja schwer zu deuten, vielleicht fühlt er sich auch grade nur ein, ins Sitzen und Hören.
Herr Novak scheint sich ernsthaft Gedanken über seine Ansprache gemacht zu haben. Wieso bloß?
Herr Lorenz fragt sich zu Beginn ob er “da muss oder eh ist” und stellt fest, dass er verwirrt ist und nichts zu sagen hat, was ihn (zusätzlich zum Dialekt) schon mal üblich sympathisch macht*. Macht sich über die unbegründete Heiterkeit von Haslitzer lustig, weil ja nicht nur dessen, sondern auch seiner und – aufgemerkt! – Clarissas Vertrag ausläuft.
Ich tu’ mir immer so schwer, englische Namen zu verstehen, wenn Österrreicher sie in den Mund nehmen. Mit Öhan Mäckiehven muss z.B. quasi Ian McEwan gemeint sein.
Urs Widmer spricht interessanterweise wie Christian Ude, es mag am speziellen “r” liegen, aber auch bei der Intonation scheint sich der eine am anderen zu orientieren. Er spricht, naturgemäß, über das Entstehen von Literatur und den Gebrauch von Sprache. Das macht er schön, aber nicht überraschend.
Die Jury wird vorgestellt, ich bin ja schon fast versöhnt, weil Daniela Strigl wieder da ist. Endlich! Auch auf Keller und Feßmann bin ich gespannt.
Spinnen hält dann auch noch eine Rede und geht auf die verschiedenen Dialekte ein, die in Klagenfurt zu hören sind. Er erzählt auch von seiner Frau, die ein recht verständiges Wesen zu sein scheint. Leider sagt er dann trotzdem viel von dem, wovon sie ihm, wenn man ihm denn Glauben schenken darf, abriet. Alsdann geht er auf gute oder schlechte Positionen in der Lesereihenfolge ein, um auf die Auslosung überzuleiten. Außerdem versucht er (auch dieses Jahr wieder) psychologisch-pädagogisch den Autoren bevor es ernst wird zu vermitteln, dass Klagenfurt nicht ernst ist.
Und dann wird auch schon gelost. Clarissa liest die Autorennamen und anschließend die Zeiten der Lesung mit perfekt immitierter Arzthelferinnen-Stimme. (Es tut mir leid.) Und das wars für heute aus dem ORF-Theater.
Hach, ich MAG diese Veranstaltung so gerne! Es ist die perfekte Kombination aus so vielen meiner Lieblingsdinge. Peoplewatching wie im Urlaubscafé inkl. laienhaftem Herumkritteln, Fernsehen natürlich und dann auch noch Bücher und Literaturkritik. Meine WM.
_________________________________
* Im weiteren erinnert er mich soo schön an den Axel, dass es eine wahre Freude ist. (Nur kennt jetzt nur ein geringer Prozentsatz der Blogleser den Axel, macht aber nix.)
Posted in Kurzgeschichten, Literatur, Literaturcafé



Juli 8th, 2011 at 10:47
Danke, danke, herzlichen Dank für die Versüßung meines Morgens!
Juli 8th, 2011 at 13:57
Großartig! Danke!
Juli 8th, 2011 at 14:11
Kinder, Ihr müsst mal mit diesen positivistischen Kommentaren aufhören, das wirkt so unseriös!
Juli 8th, 2011 at 19:58
Ich bin eben zufaellig auf den Blog gekommen. Gefaellt mir sehr.
Juli 9th, 2011 at 02:45
Wie schön! Schau Dich nur um, mindestens einmal im Jahr schreiben wir auch was. ;)
(Nein, aber jetzt natürlich noch viel öfter… Studenten haben ja viel Zeit!)